Mein japanischer Führerschein

Nach unserem Umzug sind wir gleich am folgenden Montag zum Einwohnermeldeamt gegangen um uns umzumelden und da seit der Übersetzung meines Führerschein jetzt schon fast ein Jahr vergangen ist, wollten wir den gleich auch noch ändern.

Leider haben wir für die Ummeldung deutlich länger gebraucht als erwartet (wer hätte damit rechnen können, dass in Yokohama so viel mehr Leute sind als in Soka…), weshalb wir das Umschreiben meines Führerscheins auf den nächsten Tag verschieben mussten.

Die Führerscheinstelle nimmt nur morgens 10 Leute und Nachmittags 10 Leute an, weshalb wir so früh wie möglich dort sein wollten. Nach einer sehr kurzen Nacht hieß es dann gegen halb sieben aufstehen, damit wir vor acht Uhr da sind und uns in die Warteliste eintragen können. Der Weg dorthin verlief ohne Probleme und so war ich die erste in der Liste und hoffte auf eine schnelle Abwicklung.

Der zuständige Polizeibeamte hat uns dann auch kurz danach aufgerufen und durch die Unterlagen geguckt. Die waren zwar soweit in Ordnung, aber uns fehlte eine wichtige Sache, von der ich nicht erwartet hätte, das ich sie mal brauchen würde: einen Nachweis darüber, dass ich nach Erhalt meines deutschen Führerscheins drei Monate dort gefahren bin oder mindestens ein Jahr in Deutschland gelebt habe.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Gesicht nicht das freundlichste war, nachdem uns mitgeteilt wurde, dass wir nicht nur zurück nach Hause fahren müssen um einen Nachweis zu holen, sondern dieser auch auf jeden Fall ein Original meines Uniabschlusszeugnisses (oder etwas Ähnlichem) sein muss. Da ich viel zu wenig geschlafen hatte und außerdem wusste, dass die Originale alle bei meinen Eltern in Deutschland sind, war ich einfach nur genervt. Das der Beamte nur mit meinem Mann geredet und alles was ich gesagt habe mit einem dekimasen (Das geht nicht) abgeschmettert hat, hat es auch nicht besser gemacht.

Also haben wir uns auf den Heimweg gemacht, allerdings erst, nachdem wir etwas gegessen hatten. Da wir morgens nicht geschafft hatten zu frühstücken, war das wahrscheinlich ein weiterer Grund für meine miese Laune. Zu Hause habe ich dann alles abgesucht um etwas zu finden, das als Nachweis dienen könnte. Glücklicherweise hatte ich irgendwo in einem Ordner auf meinem Laptop versteckt noch drei Gehaltsabrechnungen, die wir mal für die Behörden in Deutschland gebraucht haben. Wir haben uns dann erst telefonisch rückversichert, dass das ausreicht und sind wieder zum Bahnhof gestapft.

Wir waren dann auch noch rechtzeitig da um mich als Nummer 8 in die Warteliste einzutragen und danach musste wir nur noch etwa fünf Stunden warten, nachdem der zuständige Beamte meine Unterlagen entgegengenommen hatte. Unterbrochen wurde die Wartezeit nur durch ein Foto und eine Augenuntersuchung am Ende. Trotzdem waren wir unter den ersten Leuten, die wieder nach Hause fahren konnte, da ich (als Deutsche) weder eine theoretische noch eine praktische Prüfung ablegen musste.

Die einzige Verwirrung entstand dann, als die Frau, die mir den Führerschein zusammen mit allerlei Unterlagern (über Regeln, etc.) übergeben hat, meinte, dass ich ein Jahr lang die „Fahranfänger“ Sticker anbringen müsste, wenn ich fahre. Da ich das als Frage verstanden habe, habe ich freundlich aber bestimmt abgelehnt und gesagt, dass ich das nicht brauche. Das ging ein paar Mal hin und her, bis mein Mann mich darauf hingewiesen hat, dass es eine Aussage und keine Frage war. Wäre ich nicht mit dem Lesen der Unterlagen beschäftigt gewesen, hätte mir das Gesicht der Frau auch das Gleiche gesagt. Ups.

Alles in allem war es nur eine lange Wartezeit bis ich meinen neuen (und nicht sonderlich gut aussehenden) japanischen Führerschein bekommen habe. Hätte ich gleich die richtigen Dokumente dabeigehabt, dann wären wir auch schon Mittags fertig gewesen anstatt gegen 18 Uhr dann endlich nach Hause zu fahren…

Beispiel für japanischen Führerschein (c) Wikipedia

„Fahranfänger“ Sticker, bzw. Magnete für das Auto

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8 Gedanken zu “Mein japanischer Führerschein

  1. Ich hab das Prozedere vor ein paar Wochen auch durch, ebenfalls in Yokohama. Natürlich hatte ich auch nichts dabei, um nachzuweisen, dass ich nach Ausstellung meines deutschen Führerscheins längere Zeit in Deutschland gelebt habe. Erst als mein Mann nachgehakt hat, hat der Beamte erklärt, dass diese Unterlagen nur dafür benötigt werden, um nicht mit diesem Fahranfänger-Sticker am Auto rumfahren zu müssen. Sonst wären wir womöglich auch unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren. Als ich dem Herrn dann sagte, dass ich kein Problem damit hätte, ein Jahr als Fahranfänger zu gelten, hat er den Antrag ohne weiter zu murren bearbeitet und ich konnte direkt mit japanischem Führerschein nach Hause gehen. Ist ja echt seltsam, dass du trotz vorgelegter Unterlagen diesen Sticker brauchst. Ein typischer Fall von Behördenwillkür oder hat da einer der Beamten seine Hausaufgaben nicht gemacht? oO;

    Na ja, Hauptsache es hat am Ende geklappt.

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    • Hm, hätte ich also doch genauer nachfragen sollen. Der Beamte meinte ich bräuchte mindestens Nachweise für drei Monate, aber auf den Unterlagen zur Fahranfänger Marke stand dann, ich müsste den Sticker nutzen weil ich kein ganzes Jahr nachweisen konnte…
      Das soll mal einer verstehen ^^“
      Seit wann lebt ihr denn schon in Yokohama?

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      • Vermutlich versteht der nette Herr das selbst nicht ganz so recht, aber immerhin darfst du jetzt Auto fahren. 😉 Ich hab’s bisher übrigens noch nicht einmal probiert, weil ich mich mit dem Linksverkehr und den ganzen engen Straßen noch nicht so recht anfreunden kann. Mal schauen, wann ich mich überwinde.

        Wir sind erst vor anderthalb Monaten (wieder) hergezogen, nachdem wir ein paar Jahre in Deutschland gelebt haben. Davor waren wir auch schon eine Weile in Yokohama, also bin ich nicht wirklich neu in der Stadt. Aber es dauert doch schon ein wenig, bin man sich wieder richtig eingelebt hat. Wie gefällt’s dir denn bisher?

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      • Mir gefällt es sehr gut, wir sind seit letztem Jahr in Japan und seit Ende letzten Monats in Yokohama. Mein Mann hat allerdings hier studiert und ich war auch für mein Auslandssemester plus Praktikum damals im Großraum Tokyo.
        Das mit dem Autofahren kann ich verstehen. Ich bin zwar schon ein paar Mal gefahren, aber es ist eine ganz schöne Umstellung. Am Wochenende fliegen wir nach Hokkaido und haben dort ein Leihauto. Ich bin gespannt wie die Kombi Linksverkehr plus meterhoher Schnee wird…

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  2. Hallo,
    ich möchte demnächst auch meinen Führerschein umschreiben lassen, deswegen wollte ich gerne fragen, wo ich die Führerscheinstelle finde? Ist das im Ward Office, oder woanders in Yokohama?
    Danke im Voraus! 🙂

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    • Hallo Daria,
      Wir waren im Kanagawa Prefectural Police Headquarters Transportation driver’s license headquarters (神奈川県警察本部交通部運転免許本部), das war von Yokohama am einfachsten zu erreichen. Noch ein Stück zu Fuß oder mit dem Bus vom Bahnhof Futamatagawa (二俣川), je nach Verbindung etwa 12 bis 20 Minuten Fahrtzeit vom Bahnhof Yokohama.
      Die Adresse ist:
      2 Chome-2-3-1 Nakao, Asahi-ku, Yokohama-shi, Kanagawa-ken 241-0815, Japan
      Hier auch noch ein PDF mit Informationen: https://www.police.pref.kanagawa.jp/eng/e_pic/eng83013.pdf
      Viel Erfolg (und Geduld 😉) für das Umschreiben.

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      • Hey Marina,
        vielen lieben Dank für deine Antwort!! Jetzt muss ich nur noch schauen, wann ich mir dafür freinehmen kann. Seufz.
        Eine Frage noch: Kann man sich da mit einigermaßen funktionierendem Japanisch durchschlagen? Ich wüsste gerade leider nicht, wen ich fragen könnte. Und in der PDF-Datei steht, dass man sich einen Übersetzer selber organisieren soll, falls man braucht.
        Danke im Voraus!

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      • Ich denke wenn man sich verständigen kann, dann kommt man da auch ohne Übersetzer durch.
        Das wäre nur interessant falls es Probleme gibt, die man möglicherweise nicht alleine klären kann.
        Nur Zeit solltest du halt mitbringen 😅

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